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Short Cuts: Beauty
Ein internationaler Wettbewerb für elektroakustische Musik des ZKM

Das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) ist mit dem eigens ausgeschriebenen internationalen Wettbewerb für elektronische Musik „Short Cuts: Beauty“ ein wichtiger Partner im World New Music Festival. Die „Short Cuts: Beauty“ sollen einen Einblick in die vielfältigen Konzepte von Schönheit in unterschiedlichen Kulturen vermitteln.

Der Wettbewerb richtete sich an musikalisch kreative Menschen in allen Kontinenten und Regionen, die mit dem Computer Musik machen. Gesucht waren kurze, 3 bis 8-minütige Stücke, in denen die KünstlerInnen ihr Verständnis von Schönheit durch drei Lieblingsklänge darstellen bzw. verarbeiten. Der Fantasie der KomponistInnen waren dabei keine Grenzen gesetzt. Sie konnten Alltagsgeräusche genauso wie Instrumentalklänge, Stimmen oder ganz andere Sounds verwenden.
Einsendeschluss war der 15. Juni 2006.

Alle Einsendungen werden während des Festivals von 14. bis 29. Juli 2006 in Hörstationen im ZKM Karlsruhe und im Medienzentrum des Festivals im Theaterhaus Stuttgart präsentiert werden. Eine Auswahl besonders interessanter und origineller „Short Cuts: Beauty“ werden außerdem in der dafür eingerichteten Chillout Lounge des Kunstmuseums Stuttgart und im Webradio der Deutschen Gesellschaft für elektroakustische Musik präsentiert. Die „Short Cuts: Beauty“ sollen nicht lediglich unterschiedliche ästhetische Vorlieben präsentieren, sondern die kulturellen Konzepte und künstlerischen Visionen von Schönheit, in die sie eingebettet sind, hörbar machen. Die Kompositionen reflektieren damit das Thema des Festivals: „grenzenlos“ bezieht sich auf die vorhandenen und verschwindenden Grenzen zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, und fragt nach der Bedeutung der Kunst in diesem Zusammenhang. Kann Kunst dazu beitragen, Grenzen zu überwinden oder zwischen ihnen zu vermitteln? Wie reagieren Künstler in verschiedenen Teilen der Welt auf die Herausforderungen einer medialen, mobilen und interkulturellen Welt, welchen Zugang haben sie zu neuen Technologien und Medien, wie beschreiben sie ihre Welt und ihre kulturelle Identität?


1. Preis

Francis Dhomont (Frankreich)
Corps et âme
In „Corps et âme“ verwirklicht Francis Dhomont meisterhaft einen der Grundgedanken des Wettbewerbs: Weniger ist Mehr. Die begrenzte Anzahl des Ausgangsmaterials beschneidet Dhomont nicht im Geringsten; durch seine virtuose Klangbearbeitung schafft er eine faszinierend vielfältige Höreindrücke und eine überragend packende Dramaturgie.

Shintaro Imai (Japan)
Figure in Movement
Mit archaischen klanglichen Mitteln, fernab jeder abendländischer oder morgenländischer Ideale, evoziert Imai Bilder einer vorkulturellen musikalischen Welt, in der das Lokalkolorit gänzlich dem wuchernden Wachstum seines geräuschhaften Materials untergeordnet wird. Schönheit ist bei ihm die Konsequenz, in der hier Landschaften vor Erscheinen des Menschen beschrieben werden – als es noch keine Kontinente gab und alles Eins war. Das Werk besticht durch seine teilweise solistische Spontaneität der einzelnen Klangebenen, ein Konzert der Zellteilung.

Ailís Ní Ríain (UK)
Street-Song
Das Werk Street-Song von Ailís Ní Ríain besticht durch seine ikonenhafte Klänge und musikalische Form. Einem „Fellinischen“ Film gleich bilden die verwendeten Klänge eine Aura von Assoziationen und doch dekliniert sich dieses Material im Verlauf der Form um sich kontrapunktisch zu verdichten und in immer neuen Kombinationen zueinander zu stellen. Einfachheit und Intensität paaren sich in diesem Stück auf kongenialer Weise miteinander und erfüllt die vom Wettbewerb gewünschte Ebene der „ShortCuts Beauty“.

Ana María Romano (Kolumbien)
agujeros
Das Stück „agujeros“ von Ana María Romano zeichnet sich dadurch aus, dass es zwar aus wenigen Klangmaterialien besteht aber trotzdem eine Vielfältigkeit von Klangerlebnissen bietet. Besonders beeindruckend ist die Verwendung der Dynamik und der Positionierung im Stereofeld als Mittel um eine nachvollziehbare Entwicklung des Werkes zu schaffen.

Wilfried Jentzsch (Deutschland)
Dream of B
„Dream of B“ von Wilfried Jentzsch überzeugt durch formale Prägnanz und ein gekonntes Gegenüberstellen von akustischen Instrumenten und elektronischer Verarbeitung. Die Einbeziehung balinesischer Musik unterstreicht das Thema des Festivals: „grenzenlos“.


2. Preis

Frank Niehusmann (Deutschland)
Gasometer
Frank Niehusmann zeigt herbe Schönheit: In seinem Stück stellt er klanglich die Weite des Raumes „Gasometer“ dar und konfrontiert diese mit Klängen der industriellen Produktion bzw. des Bergbaus.
Unverfremded und direkt schafft er ein intensives Hörerlebnis, das unter die Haut geht.

Balint Bolcso (Ungarn)
Farblos
Balint Bolsco's Werk „Farblos“ zeichnet sich durch ein enormes dramatisches Potential in Kombination mit einem ausgeprägten Sinn für das Gestalten von klanglichen Verlaufsformen aus. Als einer der wenigen in dem Wettbewerb schafft er es mit dem begrenzten Material orchesterartige Klangstrukturen zu erzeugen und sie mit ständigen Eruptionen versehen in eine Klimax hinein zu entwickeln. Er beherrscht den Klang und erzeugt mit seinem Material eine beeindruckende Musik

Antonio Russek (Mexiko)
Canica 1
Mit drei kurzen Klängen bildet Antonio Russek in „Canica 1“ eine miniature Klangwelt voller Bewegung und Kraft.

Sébastian Beranger (Frankreich)
Le complexe de la goutte d’eau
Beranger schafft es, aus dem Geräusch eines aufprallenden Wassertropfens eine musikalische Welt zu bauen. In ständiger Modellierung dieses Klangs wird der Tropfen – als Sinnbild des aus dem Wasser kommenden Lebens – zur raumgreifenden Klangplastik überhöht. Mit unzähligen Verfeinerungstechniken, Verfremdungen und Erweiterungen des klanglichen Spektrums führt Beranger fast schon Lehrbuchartig vor, wie vielfältig und formstiftend die digitalen Mittel eingesetzt werden können. Eine ehrliche Musik, alles wirkt handgemacht.

Vytautas Germanavicius (Lettland)
Sunset Arrays for prepared piano and computer
In „Sunset Arrays for prepared piano and computer“ gelingt es Vytautas Germanavicius Klavier und Live-Elektronik fein auszubalancieren und zu verschmelzen. Die Gangart des Stückes wirkt bewusst monoton, bleibt aber doch tragfähig bis zum Schluss.


3. Preis

Jan Stoltenhoff (Deutschland)
Bin ich schön?
Ein Mann, eine Frau, ein Kleiderschrank. Mit minimalistischen Mitteln erzählt Jan Stoltenhoff eine alltägliche Geschichte und wirft die essentielle Frage auf: Was macht schön?
Stoltenhoffs Wahl des Materials ist naheliegend und geradezu simpel und doch innerhalb der eingereichten Beiträge einzigartig.

Claudio Perugini (Italien)
Pythagorean
In einer Zeit in der synthetisierte Musik Seltenheitswert bekommen hat erweist sich Peruginis Idee als originell und wirkungsvoll. Mit den in dem Stück verwendeten pythagoreischen Proportionen als Grundlage für synthetisierte Spektren erzeugt er eine faszinierende Klangwelt, die manchmal oberflächlich scheinend die Idee von Schönheit doch sehr überzeugend über das Material inhärent transportiert.

Eldad Tsabary (Kanada)
In the Eye of the Beholder
Die Aufgabe des Wettbewerbs Short Cuts war ein Verständnis von Schönheit durch drei Klänge darzustellen. In seinem Stuck „In the Eye of the Beholder“ erlangt Eldad Tsabary die Auseinandersetzung mit Schönheit durch eine unorthodoxe Lösung, die aber letztendlich bewegend und einfach schön ist.

Pei-Yu Shi (Deutschland/Taiwan)
Liu An Hwa Ming (Dunkle Weiden und blühende Blumen)
Die Komponistin vermittelt hier gemäß der Wettbewerbsausschreibung zwischen der westlichen und östlichen Hemisphäre durch gezielt unterschiedlich gestaltete Toneigenschaften. Ihr musiklyrischer Ansatz erfährt in der überzeugend kunstfertigen Verarbeitung von Pipa- und Klarinettenintonation einen tatsächlich weltläufigen Ansatz: Couleur locale als klangliche Grundeigenschaft.

Victor V. Pushkar (Ukraine)
Pushkar lake
„Pushkar lake“ von Victor V. Pushkar steht stellvertretend für eine Reihe von Stücken aus dem Umfeld von Elektronika/Ambient/Drones.
„Pushkar lake“ wirkt erfrischend unprätentiös und authentisch.

 



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