
Rundgang durch den Klangpark
Entlang markanter Wege und Plätze entstehen im Killesbergpark neue audio-visuelle Räume und interaktive Installationen. Dabei folgt die Klangdramaturgie der Topografie des Raumes: Der „Höhe“-Punkt ist der als Klangturm inszenierte erhöhte Aussichtsturm. Um den Turm herum lässt sich die Parklandschaft mit Klangseen, einer Klanglichtung oder einem Klangspielplatz neu erleben. Der eigentliche Beginn des Klangparks liegt aber bereits vor dem Theaterhaus mit einer besonderen Straßen-Ressonanzinstallation.
Living Harmonies Auf dem Platz zwischen Theaterhaus und DaimlerChrysler Bank an der Siemensstraße präsentiert das Künstlerteam Bruce Odland und Sam Auinger eine Klanginstallation, die ihr Klangmaterial aus den nahen Verkehrsgeräuschen in Echtzeit transformiert. Die neuen harmonischen Straßenklänge sind nur in unmittelbarer Nähe des eigens dafür konzipierten Klangwürfels zu hören. Diese Arbeit soll bereits zur Eröffnung des ISCM-Festivals am 14. Juli klingen und bildet gleichzeitig eine Verbindung vom Theaterhaus zum Klangpark.
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Bodenhülsenorgel
Am Eingang des Parks erwartet den Besucher die Bodenhülsenorgel von Erwin Stache. Bodenhülsen werden normalerweise in die Erde eingeschlagen. Hier sind sie aufrecht auf der Wiese angebracht – also sichtbar ihrer Funktion enthoben. Durch Ungenauigkeiten in der Anfertigung klingen gleich aussehende Bodenhülsen in verschiedenen Tonhöhen. Wie abstrakte Blumen ragen sie aus der Erde. Die Töne werden mechanisch angeschlagen und variieren in Mikrointervallen. Kleinste Nuancen werden hörbar und stehen sinnbildlich für Farbenvielfalt. Je mehr man die Sinne schärft, desto mehr Unterschiede kann man hören.
Klangsee 1
Andres Bosshard hat für den ersten See besondere Klangelemente entwickelt: Sie liegen und schweben horizontal im Wasser oder schwimmen nur ganz wenig über der Wasseroberfläche. Sie klingen in unterschiedlichen Farben, funkeln in der Sonne und drehen sich im Wind: Ein erfrischendes Schau- und Hörspiel für Augen und Ohren, das durch die Installationen im nächsten See noch intensiviert wird.
Klangsee 2
Für den zweiten See entwirft Andres Bosshard Klangobjekte, die sich über dem Wasser erheben. Es sind Elemente, die filigran im Wind schwanken, pendeln und sich drehen. In ihrer Anordnung deuten sie eine Spiralenform an, die mit der Turmstruktur assoziiert werden kann.
Klangturm
Der Klangturm von Andres Bosshard soll wie eine Antenne das klangliche Geschehen des Festivals einfangen. Er arbeitet mit aufsteigenden Klangwirbeln, die sich teilweise aus Konzerten des Festivals speisen. An der filigranen Seilkonstruktion, die den Turm trägt, sind transparente Platten mit kleinen Lautsprechern gespannt, die wie Lichtspots wirken. Die einzelnen Klangpunkte sind einzeln nicht lokalisierbar, sie umspannen den ganzen Turm: Für Wind und Umweltgeräusche durchlässig, erzeugen sie eine transparente Klanghülle, die körperlich spürbar ist. Die fein aufeinander abgestimmten Klangfarben der einzelnen Ebenen locken die Besucher geradezu auf die oberste Plattform des Turmes, wo sich der Klang im unendlichen Raum verliert.
Klanglichtung
Unterhalb des Turms liegt etwas verborgen eine kleine Lichtung, deren ruhevolle Atmosphäre Andres Bosshard in Zusammenarbeit mit dem italienischen Klangkünstler Lorenzo Brusci durch die Kreation einer Klanglichtung auffängt. Hier laden Liegen zum Verweilen, Lauschen und Schauen ein. Über ihnen schwingt ein Pendel, in dem ein windaktives Mikrofon und ein Lautsprecher integriert sind, die die Klang- und Luftbewegungen des Pendels wiedergeben. Die Klanglichtung kann abwechselnd die einzelnen akustischen Plattformen des Turmes spiegeln.
Schallwand und Zug
An der Wand des Steinbruchs unterhalb des Gleises befinden sich auf einer Breite von ca. 30 Metern an Kabeln befestigte Schallgeber. Es können Knackgeräusche, brummende Laute und hohe jaulende Töne ähnlich eines „Wolfsgesanges“ erzeugt werden. Durch etwa 30 dieser Signalgeber ist es möglich, eine weit gefächerte Klangwand zu realisieren. Aus einzelnen wandernden Knacklauten werden allmählich Töne und Klänge, die durch unterschiedliche Ausführung von Resonanzkörpern auch verschiedene Klangformen haben können und sich auf der Wand sozusagen hin- und herbewegen können. Der Klangkünstler Erwin Stache koppelte dies mit dem vorbeifahrenden Zug. Die Klangwand kündigt den Zug an, verstummt dann, um das normale Zuggeräusch wahrnehmen zu können und ertönt am Ende noch einmal, um so dem Zug hinterher zurufen.
83,7 Kilo Ohm
In der Nähe des Kinderspielplatzes laden fünf interaktive Installationen von Erwin Stache zum Spielen für kleine und große Besucher ein. Auf fünf Holzbühnen werden Edelstahlstangen montiert, die beim Berühren eine Vielfalt von Tönen und Geräuschen erzeugen. Durch ihre jeweilige Hautkonsistenz und Druckausübung können die Besucher die Klänge individuell variieren.
Seeklang
Im Seerosenteich am Steinbruch installiert Erwin Stache ganz kleine Plateaus, die wie Seerosen auf dem Wasser schwimmen und mechanisch erzeugte Töne und Geräusche von sich geben. Der Klang wandert und kann vom Ufer auch beeinflusst werden. Wie aufgescheuchte Tiere werden so die Geräusche ab und zu stärker und beruhigen sich danach wieder. Da die Akustik über dem Wasser recht gut ist, können auch leise Geräusche und Klänge wahrgenommen werden. Die Installation fügt sich so in den Gesang der Vögel oder der Frösche und in das Rauschen der Blätter ein.
Klangkästen Die Klangkästen von Erwin Stache erzählen von der dunklen Seite der Geschichte des Höhenparks als NS-Musterpark und Deportationsort württembergischer Juden. Die Klangkästen befinden sich auf Holzpfählen. Es sind geschlossene Körper, die auf die Entfernung des Besuchers reagieren. Je dichter man ihnen kommt, um so deutlicher werden gesprochene Textfragmente hörbar, entfernt man sich wieder, mischen sich die Worte mit Klängen und der Text wird immer unverständlicher und ist schließlich nur noch als Lautmalerei zu hören.
Your place or mine? Bei der Brücke über dem Tal nahe dem Steinbruch lässt Andreas Oldörp ein Klangfeld aus Orgelpfeifenklängen entstehen. Dazu bringt er zwei gedeckte Kupferpfeifen mit zwei verschieden langen Luftsäulen in die Balken der kleinen Kapelle und der Hammerbacherhütte an, deren Klänge ein einzigartiges Klangfeld erzeugen.
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