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Aspekte zur Konzeption
Das ISCM World New Music Festival ist das offizielle Festival der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik. Es wird jährlich in einem der 50 Mitgliedsländer ausgetragen (in Deutschland zuletzt 1995) und soll die neuesten Entwicklungen der gegenwärtigen Musik widerspiegeln. Musik der Jahrhunderte veranstaltet das Festival 2006 in Stuttgart im Auftrag der deutschen Gesellschaft für Neue Musik.
Ein Kompositionswettbewerb, an dem sich die Mitgliedssektionen wie auch private Einsender aus aller Welt beteiligen, bildet die obligatorische Grundlage des Festivalprogramms. Eine Internationale Jury mit Wolfgang Rihm, George Benjamin, Unsuk Chin, Pascal Dusapin, Julio Estrada, Hans-Peter Jahn und Vladimir Tarnopolski wählte von 518 eingesandten Partituren ca. dreißig Werke aus, die im Festival präsentiert werden. Weitere Werke aus allen Sektionen ergänzen das Programm, das damit einen Fächer des gegenwärtigen kompositorischen Schaffens innerhalb der ISCM bildet. Auch Musikkulturen außerhalb der ISCM spielen eine große Rolle.
„Neue Musik“ ist ein Begriff, der aus europäischem Kunstverständnis heraus entstand. Der Musik anderer Kulturen wurde früher aus europäischer Sicht vor allem ethnologische oder folkloristische Bedeutung beigemessen. Eine solche Unterscheidung ist heute für ein World New Music Festival nicht mehr akzeptabel. Grundlegend für die Festivalkonzeption wurde die Theorie der „Pluralität der Modernen“, wie sie der Philosoph Rolf Elberfeld in einem Symposium zu Globalisierung und Kunst entwickelte.
Im Mittelpunkt von „grenzenlos“ steht die Frage nach der kulturellen Identität: Wie reagiert eine junge Künstlergeneration weltweit auf die Herausforderungen von Interkulturalität, von grenzenloser Kommunikation und Internet, von neuen Technologien? Wie wirken sich die Veränderungen durch die Globalisierung auf den einzelnen Künstler aus? Welche Aufgabe kann die Kunst im Sinne der Identitätsfindung übernehmen? Kann sie dazu beitragen, Verständigungsebenen zwischen Gesellschaften und Kulturen herzustellen?
„grenzenlos“ wird in verschiedener Hinsicht gedacht. Grenzenlos ist die Neugierde auf Fremdes und Unbekanntes in anderen Kulturen. Es sind Musikkulturen einbezogen, für deren umfassendes Verständnis in Europa die Kriterien (noch) fehlen. Auch intermediale und interdisziplinäre Aspekte sind Bestandteil des Festivals. Generell bezieht sich der Titel auf ein Denken, das, provoziert durch ästhetische, technische oder kulturelle Festlegungen, künstlerische Sprengkraft entwickeln kann.
Das World New Music Festival 2006 wendet sich an alle Musikinteressierten in der Region und in ganz Deutschland. Die Konzerte, Musiktheater- und Vermittlungsprojekte ermöglichen einen umfassenden Überblick über das gegenwärtige Komponieren, aber auch eine unkomplizierte erste Begegnung mit Neuer Musik aus denkbar unterschiedlichen Kulturen.
Musik der Jahrhunderte sieht die Vermittlung als eine grundlegende Aufgabe. Der Kinder- und Jugendkongress N[you] soll ein junges Publikum an diese Musik heranführen. Das vierte Symposium „Globalisierung und die Freiheit der Künste“, Diskussionen und Einführungen sind weitere Plattformen für die Auseinandersetzung mit den Themen des Festivals.
Wichtige Kooperationspartner sind der SWR mit seinen Klangkörpern, die Staatsoper Stuttgart, das Forum Neues Musiktheater und die Akademie Schloss Solitude, aber auch überregionale Partner wie das ZKM Karlsruhe, die DEGEM, die INMM Darmstadt, das Deutschlandradio Kultur, das Haus der Kulturen der Welt und viele Spezialensembles für Neue Musik. Aus diesen Partnerschaften werden dauerhafte Netzwerke entstehen, die auch die Arbeit der GNM unterstützen. Das Festival findet überwiegend im Theaterhaus Stuttgart statt, dem Sitz von Musik der Jahrhunderte. Vier Konzert- und Theatersäle, Bistro und Biergarten sowie das benachbarte Hotel- und Kongresszentrum bieten beste Möglichkeiten für ein intensives, kommunikationsreiches Festivalerlebnis. Hochsommerlich open air entsteht auf dem nahen Killesberg ein Klangpark. Das Festivalzentrum in der Stadtmitte ist das Kunstmuseum. Auch Werksgelände und Straßenbahnen werden zum Spielort für Theater. Das sommerliche Stuttgart lädt ein!
Christine Fischer
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